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Driven

Wie schlage ich längere Drives?

Es gibt kaum ein besseres Gefühl im Golf: Wenn der Ball satt getroffen vom Tee saust, mit einer aggressiven Flugbahn in den Himmel fliegt und dann auf dem Fairway auch noch ordentlich ausrollt, hat man den ersten Schritt zu einem guten Score schon erreicht. GOLFXXX zeigt Dir, ob du den richtigen Driver hast und wie du deine Technik verbessern kannst.
Was gibt es faszinierenderes als einen richtig langen Drive? Respektive einen richtigen Longhitter? Wir haben da einen! Timo Petrasch ist Profi und schlägt auf der European Longdrive Tour ab, wo er aktuell in den Top Ten steht. Mit Hilfe der Tipps von Bundesligatrainer Marco Schmuck und Fitting-Spezialist Marco Burger konnte der Weitenjäger seine Werte nochmals verbessern und listet seinen längsten Abschlag im Turnier mit 425 Yards – knapp 390 Metern.

Petrasch ist natürlich ein Ausnahmetalent in Sachen Driven. Aber auch Du kannst deine Abschläge deutlich verbessern, wenn der Driver zu deinem Schwung passt und ein paar grundlegende Variablen in der Technik stimmen. In diesem Artikel zeigen wir dir, worauf zu achten ist.

Der Kauf eines neuen Drivers zu Beginn der Saison scheint eine einfache Lösung zu sein, führt aber oftmals nicht zu längeren Schlägen. Der Grund: Allzu oft werden Modelle gekauft, die nicht wirklich zum Spieler passen. Außerdem haben aktuelle Driver-Modelle keinen größeren Trampolineffekt als die Driver der vergangenen Jahre. In der Mitte der Schlagfläche beschleunigen sie den Ball genauso schnell wie ältere Generationen. Das ist so, seitdem die USGA im Jahr 2003 den maximal erlaubten Trampolineffekt (COR) auf den bestimmten Wert von 0,83 festgelegt hat. Der Coefficient of Restitution(COR) ist das Maß des Energietransfers zweier aufeinander treffender Körper. Würde der Ball mit 100km/h auftreffen, wäre die Abprallgeschwindigkeit bei einem COR von 0,83 genau 83 km/h.
Es gilt also, den passenden Driver hinsichtlich Loftwinkel, Gewicht, Spielbarkeit und Schaft zu finden. Um das volle Potential auszuschöpfen, solltest Du Schwung und Ballflugdaten genau analysieren. Wir empfehlen:


1) Ist-Analyse mit dem Driver

Suche dir am besten einen professionellen Fitter, der über einen Launch Monitor (zu empfehlen: Trackman, Foresight, FlightScope) verfügt. Achte vor allem darauf, dass du eine Auswahl an verschiedenen Schlägerköpfen testen kannst. Der Kopf ist der direkte Kontaktpunkt mit dem Ball und daher hauptverantwortlich für den Ballflug. Die Schaftsteifigkeit und das -gewicht sollten ebenso zu deinem Schwung passen, wie der Loft des Schlägers und dessen Gewicht.

HILTON HEAD ISLAND, SC - APRIL 24: Luke Donald of England hits a chip shot on the 18th hole during the final round of The Heritage at Harbour Town Golf Links on April 24, 2011 in Hilton Head Island, South Carolina. (Photo by Streeter Lecka/Getty Images)
HILTON HEAD ISLAND, SC – APRIL 24: Luke Donald of England hits a chip shot on the 18th hole during the final round of The Heritage at Harbour Town Golf Links on April 24, 2011 in Hilton Head Island, South Carolina. (Photo by Streeter Lecka/Getty Images)

Das Gewicht wirkt sich insbesonders auf die Beschleunigung des Schlägers aus. Mit einem zu schweren Schläger kannst du dein Potential nicht komplett ausschöpfen. Auch der Ball spielt beim Überprüfen des Materials eine große Rolle. Schlage also nach Möglichkeit während des Fittings mit dem Ball, den du auch sonst auf der Runde spielst. Wenn das nicht möglich ist, sollte es zumindest ein hochwertiger Ball sein, und keine abgespielte Driving-Range-Mumel.

Hier ist ein Beispiel, in welcher Bandbreite sich moderne Driver normalerweise bewegen und wie die Werte auf der Tour sind:

 MinMaxTour HerrenTour Damen
Loft16°8,5°9,5°
Kopfgewicht185 g215 g200 g200 g
Kopfgröße430 ccm460 ccm460 ccm460 ccm
Schaftgewicht30g120g75g60g
SteifigkeitLXXXR
Schaftlänge43“48“44,75“44“

2) Ist-Analyse mit dem Launch Monitor

Wie triffst du den Ball? Hierzu liefert ein Launch Monitor genaue Erkenntnisse. Grundsätzlich erzielst du mehr Länge, wenn du den Ball mit einem positiven Eintreffwinkel – also im Aufschwung – trifft. Warum ist das so? Es geht weniger Energie verloren und der Backspin nimmt ab. Der Ball fliegt höher ab, bleibt lange in der Luft und rollt länger aus. Ein idealer Abflugwinkel des Balles liegt – je nach Geschwindigkeit – zwischen 12° und 15°. Die Backspin-Rate des Balles sollte dabei zwischen 2.200 und 2.800 rpm liegen – abhängig von der jeweiligen Schlägerkopfgeschwindigkeit.

Wie stark sich der Eintreffwinkel auf die Länge auswirkt, kannst du anhand folgender Vergleiche erkennen, die zeigen, dass sich mit zunehmender Schlägerkopfgeschwindigkeit der Unterschied zwischen positivem und negativem Eintreffwinkel deutlich erhöht:

Schwunggeschwindigkeit Eintreffwinkel Carry Länge Total Länge
75-5135160
755150185
90-5180200
905200235
120-5260280
1205290320

3) Drills für den richtigen Eintreffwinkel beim Drive

Solltest du mit dem Driver einen zu steilen Eintreffwinkel (negativer Wert beim Launch Monitor) haben, solltest du erst ein wenig an deinem Schwung arbeiten, ehe du zu neuem Material greifst. Folgende Tricks sollten helfen:

  • Rechte Schulter unter der linken Schulter
  • Schulterachse parallel
  • Ball vom linken Fuß schlagen
  • Sehr hohes Tee verwenden

4) Mittigkeit des Treffens

Unabhängig vom Eintreffwinkel gibt es weitere Aspekte des Schwungs, durch die sich die Länge des Ballflugs deutlich beeinflusst lässt. Negativ auf die Ballgeschwindigkeit wirken sich Treffer an der Hacke/Spitze, sowie Ober- und Unterseite des Kopfes aus.

Ein schlechter Treffer kann schnell die Flugeigenschaften des Balls, und damit ihre Schlagweite, beeinflussen. Typische Folgen:

Verlust an Ballgeschwindigkeit und damit Schlagweite
Treffer oben an der Schlagfläche haben weniger Backspin (Ball rollt weiter) Treffer unten an der Schlagfläche haben mehr Backspin (bleiben liegen)
Treffer an der Spitze des Schlägers entwickeln Linksdrall (Draw/Hook)
Treffer an der Hacke des Schlägers entwickeln Rechtsdrall (Fade/Slice)
Bild: Veränderung der Spinrate (rpm = revolutions per minute / Umdrehungen pro Minute) in Abhängigkeit des Treffers auf der Schlagfläche:

Diese Drills helfen:
Im Sweetspot?
Nutze Impact Tapes (=Schlagflächenaufkleber) oder ein Impact Spray. Hiermit siehst du nach jedem Schlag, wo du den Ball genau getroffen hast. Im Notfall tut es auch Lippenstift oder Haarspray, der auf die Schlagfläche auftragen wird.

In der Mitte?
Einen Ball aufteen. Links und rechts davon kommt jeweils ein Tee mit oder ohne Ball (einfacher) in den Boden. Sobald der Schläger im Treffmoment nicht an der gleichen Stelle wieder herunter kommt, wird einer der beiden seitlichen Bälle herunterfallen. Alternativ kannst du mit zwei Swingsticks eine Schiene auslegen.

Ellenbogen strecken
Klemme dir in der Ansprechposition einen Pezziball (Durchmesser ca. 20 cm) zwischen die Unterarme. Beim Durchschwung darf dieser nicht herunterfallen. Dadurch bleiben die Ellenbogen im Durchschwang gestreckt und gewinnen so an Spannung und Präzision.
Wenn du deinen Miss-Hit auf der innen Seite des Schlägers hast, dann sprich den Ball extrem mit der Hacke an. Dein Körperschwerpunkt wird sich nun vom Ball weg weiter in die Fersen verlagern, um den Ball noch an der Schlagfläche zu treffen. Bei Problemen mit Spitzentreffern mache es genau andersherum.