close
mikro-square

Oliver Heuler ist einer der bekanntesten Golflehrer Deutschlands. Er hat unter anderem 14 Bücher geschrieben und unzählige Videos produziert (hier geht es zu seinem Youtube-Kanal). Eine 50-minütige Unterrichtsstunde kostet 200 Euro (unterrichtet wird im Golfclub Fleesensee).


Golfbeat: Hat sich das Golftraining an sich in den vergangenen zehn Jahren verändert?

Oliver Heuler: Bei mir hat es sich nicht groß verändert. Mein Unterrichtshandbuch würde ich immer noch jedem Golflehrer empfehlen. Aber einige Details haben sich geändert. Die Radar- und 3D-Geräte haben Erkenntnisse zutage gebracht, die hilfreich waren.

Golfbeat: Hat die Videokamera an Bedeutung verloren? Und was ist von Golfunterricht ohne technische Hilfsmittel zu halten?

Oliver Heuler: Ich habe alle paar Jahre mal Stromausfall am Fleesensee und unterrichte ohne mein Videosystem. Am Ende dieser Stunden verlange ich fast nie Geld, weil die erzielten Fortschritte nur ein Bruchteil so groß sind wie mit Video.

Golfbeat: Warum ist eine schnelle Videowiedergabe nach jedem Schlag hilfreich?

Oliver Heuler: Nicht unbedingt wegen meiner Analyse. Mein iPhone oder iPad liefert mir die gleichen Bilder für die Analyse. Aber alles dauert unendlich viel länger. Es fehlt deshalb die schnelle Rückmeldung für meinen Schüler in der Korrekturphase. Gefühl und tatsächliche Bewegung liegen oft meilenweit auseinander. Und wenn ich dem Schüler sage, dass er meine Korrektur nur zu zehn Prozent umgesetzt hat, er aber das Gefühl hat, es waren zweihundert Prozent, dann verstehe ich, dass er an mir zweifelt. Kann ich ihm aber immer sofort nach dem Schlag zeigen, wie der Schwung wirklich aussah, zweifelt er irgendwann an seinem Gefühl. Und ohne das geht es einfach nicht.

Golfbeat: Ist der Launch-Monitor inzwischen genauso wichtig?

Oliver Heuler: Ich hatte ein Jahr lang zusätzlich einen 15.000-Euro-Launch-Monitor zur Verfügung und konnte ihn eigentlich nur brauchen, wenn die Vorgabe unter 4 lag. Und auch bei diesen Stunden habe ich ihn oft nicht gebraucht. Wenn ich die Bewegung und den Ballflug sehe, weiß ich eh, was der Launch-Monitor ungefähr anzeigen wird. Beim Fitting sind die genauen Zahlen unerlässlich und auch bei der Arbeit mit wirklich guten Spielern. In meinem Unterricht haben die zusätzlichen Zahlen den Spieler öfter davon abgelenkt, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Deshalb habe ich ihn irgendwann weggestellt.

Golfbeat: Was sind für dich die zehn wichtigsten Punkte eines modernen Golftrainings?

Oliver Heuler: Am Anfang steht die gute Analyse, dann kommt lange nichts. Wenn man da den Nagel nicht auf den Kopf trifft, kann alles Weitere es nicht mehr rausreißen. Als zweites kommt die Didaktik. Wenn die Analyse stimmt, muss man den Schüler natürlich auch noch dahin bringen können, die neue Bewegung umzusetzen. Teil der Didaktik ist als drittes die Psychologie. Wenn es im Unterricht hakt, liegt das oft daran, dass der Schüler andere Dinge im Kopf hat. Das sagt er aber nur selten. Hier braucht der Trainer viertens Empathie, um das zu merken und dann fünftens eine geschickte Kommunikation, um diese Probleme lösen zu können.

Platon oder irgendein anderer der griechischen Philosophen wurde angeblich einmal von einigen seiner Schüler gefragt, warum dieser eine Schüler kaum etwas lernt. Darauf Platon: “Er kann nichts von mir lernen: Er liebt mich nicht.” Wie viele Punkte hatte ich jetzt? Fünf.

Fehlen also noch fünf. Jetzt müsste ich eigentlich bei den Punkten weitermachen, die die gute Analyse überhaupt erst ermöglichen. Man muss sich ja in dem Dschungel der unzähligen Golftheorien zuerst eine heraussuchen, die erfolgversprechend ist. Dazu muss man also erstens gut recherchieren können. Man kann leider nicht jedes Golfbuch lesen, nicht jedes Video anschauen, nicht jeden vielversprechenden Lehrer besuchen und bei seinem Unterricht zuschauen. Also muss man relativ früh erkennen können, wo es sich lohnt, mehr Zeit und Geld zu investieren. Wichtig ist dabei auch zweitens eine gute Mischung aus der Fähigkeit zur Selbstkritik und drittens der richtigen Portion Selbstvertrauen. Gegenüber dem Schüler präsentiert man sich besser selbstsicher, aber nach der Stunde muss der Lehrer wieder auf Selbstzweifel umschalten: Waren die Korrekturen wirklich die besten? Welche Alternativen hätte es gegeben? Im Zweifel kann man auch mal seine Kollegen fragen, was auch viertens eine gewisse Bescheidenheit erfordert. Jetzt fehlt nur noch ein Punkt, richtig?

Golfbeat: Genau.

Oliver Heuler: Ich habe aber sogar noch zwei. Bekomme ich da Zusatzpunkte (lacht)? Wenn man viele tausend Stunden gegeben hat, dann hilft es, wenn man beim Thema Mustererkennung gut ist. Diese erkannten Muster helfen einem, die eigene Theorie weiter auszufeilen: Was sind wirklich wichtige Punkte beim Unterrichten? Was ist eher nebensächlich? Und mein letzter Punkt: Ich glaube der Lehrer braucht eine große Liebe zu diesem Spiel und zu seinem Job, andernfalls wird er nicht über Jahrzehnte hinweg sein Bestes geben.

Golfbeat: Warum spezialisieren sich so wenige Trainer auf das Putten, obwohl es einen Großteil der Schläge auf dem Platz ausmacht?

Oliver Heuler: Ich war einer der ersten Trainer in Deutschland, die ein Putt-Lab im Unterricht eingesetzt haben. Meiner Meinung nach ist seriöser Putt-Unterricht ohne dieses System — oder zumindest vergleichbare — nicht möglich. Video ist hier viel zu ungenau und das bloße Auge reicht erst recht nicht. Ich habe großen Spaß mit diesem System das Putten zu unterrichten und ich biete meinen Schülern oft gegen Ende der Stunde an, das auszuprobieren, wenn ich sehe, dass meine Arbeit beim langen Spiel eigentlich getan ist. Ganz oft kommt dann aber ein nein, weil ihnen das Putten nicht wichtig ist. Sie fragen dann meist, ob wir nicht noch mal diesen oder jenen Schläger ausprobieren können. Und ich muss ganz ehrlich sagen: Ich kann die Schüler verstehen. Ich kann mich gar nicht daran erinnern, wann ich das letzte Mal Zeit auf dem Putting-Grün verbracht habe. Bälle auf der Range hingegen schlage ich fast jeden Tag. Das macht einfach mehr Spaß.

crew4_small

“Drei Stunden an drei Tagen. Danach haben sie genügend Informationen, um sich selbst helfen zu können” – Oliver Heuler über die Frequenz des Trainings

Golfbeat: Welche Rolle spielt das Equipment des Schülers für den Trainer? Inwieweit sollte ein Trainer in der Lage sein dieses in einem ersten Schritt zu bewerten?

Oliver Heuler: Wenn die Schläger überhaupt nicht passen, dann kann man das schon mit bloßen Auge sehen. Wenn möglich, drücke ich dem Schüler dann etwas Passenderes in die Hand. Oft ist es aber auch so, dass ich erst sagen kann, was der Schüler an Ausrüstung braucht, wenn der Schwung einigermaßen stimmt. Woher soll ich beispielsweise wissen, wie viel Loft der Driver haben sollte, wenn der Schüler noch slict und löffelt? Da merkt man natürlich nicht, dass zehn Grad Loft vielleicht viel zu wenig sind. Wenn es ans Fitting geht, überweise ich meine Schüler immer an Experten. Um wirklich gut zu fitten, braucht man Erfahrung und dazu muss man das jeden Tag machen.

Golfbeat: Lässt sich verallgemeinert sagen, dass sich Golfer auf der Range anders als auf der Runde und anders als im Turnier bewegen?

Oliver Heuler: Das glauben die Golfer immer, aber ich sehe das nicht so. Wenn die Golfer zu mir kommen, sehen die Schwünge eigentlich immer gleich aus. Hat man es aber geschafft, ihnen in der Hütte einen anderen Schwung beizubringen, reicht es oft schon, einfach nur aus der Hütte herauszugehen und der Schwung fällt wieder ein großes Stück zurück. Geht der Schüler auf den Platz, fällt er weiter zurück. Spielt er ein Turnier, fällt er noch weiter zurück. Das liegt einfach daran, dass mit zunehmendem Stress das Gehirn weniger Informationen verarbeiten kann. Alleine auf der Range kann man sich besser konzentrieren und hat auch mehr Mut, mal etwas Neues zu probieren. Je häufiger die neue Bewegung allerdings ausgeführt wird, desto weniger Konzentration ist dafür nötig. Das ist ja nicht anders als beim Erlernen einer Sprache oder eines Musikinstrumentes. Auch da klappt es vielleicht schon mal ganz gut beim Üben allein zu Hause, aber man könnte sicher noch kein Konzert vor großem Publikum geben.

Golfbeat: Würdest du einem normalen Golfer raten, regelmäßig ein Mal pro Woche Unterricht zu nehmen oder besser ein bis zwei Mal gebündelt im Jahr eine „Trainingswoche“ zu buchen?

Oliver Heuler: Ich gebe den meisten Golfern drei Stunden an drei Tagen, danach haben sie genügend Informationen, um sich selbst helfen zu können. Für betreutes Üben kostet mein Unterricht auch zu viel. Wenn der Golfer aber merkt, dass er alleine einfach nicht diszipliniert genug übt und er es sich leisten kann, dann spricht natürlich nichts gegen wöchentliche Golfstunden.

sonne

Golfbeat: Sollte ein guter Golftrainer nach einem Training eine Zusammenfassung inklusive passender Übungen an den Kunden senden? Passiert dies aus deiner Sicht regelmäßig?

Oliver Heuler: Bei mir endet jede Golfstunde damit, dass der Schüler sein Handy zückt und mich filmt, während ich noch einmal alles zusammenfasse und dabei demonstriere. Oft filme ich auch den Bildschirm des Scope-Systems ab und zeige dabei den Vorher- und den Nachher-Schwung. Dabei kommentiere ich die Unterschiede. Die Schüler berichten fast alle, dass sie sich das oft anschauen. Ich motiviere sie auch, diese Filme auch ihren Heimtrainern zu zeigen. Wie oft das passiert, weiß ich nicht.

Golfbeat: Was hältst du von Online Coaching, bei dem ein Schüler nur ein Video aus zwei Perspektiven an einen Trainer sendet und diesem sein „Problem“ schildert? Ist es hierfür erforderlich, dass Schüler und Trainer sich bereits kennen?

Oliver Heuler: Ich biete das seit vielen Jahren an, auch ohne die Golfer vorher gesehen zu haben. Die Voraussetzungen bei den Videoaufnahmen sind aber anspruchsvoll. Ich beschreibe auf dieser Seite, was der Golfer alles beachten muss. Es gab schon einige Fälle, die nachher berichtet haben, dass sie jetzt eigentlich nicht mehr zum Fleesensee kommen müssen, weil ihr Slice oder Socket oder was auch immer weg ist. Das freut mich natürlich.

Golfbeat: Was sollte ein Online-Feedback ungefähr kosten?

Oliver Heuler: Ich habe keinen festen Preis. Ich will vom Schüler auch erst Geld, wenn meine Anweisungen wirklich geholfen haben. Beim Unterricht vor Ort würde ich auch kein Geld nehmen, wenn die Korrekturen nicht geholfen haben. Das kommt ein- bis zweimal pro Jahr vor. Beim Fernunterricht gehe ich häufiger leer aus, aber das liegt wohl in der Natur der Sache. Wenn die Korrekturen geholfen haben, darf der Golfer mir soviel zahlen, wie es ihm wert gewesen ist.

Zur lesenswerten Webseite von Oliver Heuler geht es hier.

Tags : BallflugGolflehrerGolftrainingOliver HeulerPGA of Germany
GolfBeat Team

The author GolfBeat Team

Leave a Response